Vor mehr als dreißig Jahren nahm ich unweit meiner Berliner Hinterhofwohnung das Buch »Cendrars Gedichte« aus dem Regal meiner damaligen Lieblingsbuchhandlung. Warum ich es getan habe, ist mir entfallen, doch ich sehe es noch vor mir, Bücherregal, Hand und Buch. Gerade ein paar Jahre war ich da aus einem niedersächsischen Dorf nach Berlin gezogen, war junger Kunststudent. Die große Stadt, eine Menge Wünsche, mächtige Gefühle und Träume. Cendrars Reimworte des Hymnus »Ostern in New York« trafen mich mit voller Wucht. Sein flehentliches Selbstzeugnis gesprochen mit den Reimen der Kindheit. Choräle von Bach und Händel klingen mit, schmerzliche Ferne der Erlösung. Weltgefühl und Alleinsein, so sehr empfänglich war ich dafür. Cendrars hat den Zauber des Reims nach »Ostern in New York« verlassen. Auf einemzwei Meter langen Faltblatt schrieb er seine »Prosa vom Transsibirischen Express«. Karge Sprache Zeile um Zeile, brüchig wie monumental seine Worte (Martin Assig). Eine wunderschön gestaltete Ausgabe der Gedichte. (Text dt., franz.)