Germaine Richier (1902-59) nimmt eine zentrale Stellung in der Geschichte der modernen Bildhauerei ein. Sie arbeitete vorwiegend mit Bronze und belebte mit ihrer Kunst die Form der Figur neu. In der Nachkriegszeit schuf sie radikale neue Bilder von Männern und Frauen, die den menschlichen Körper und natürliche Formen in einer Mischung aus Abstraktion und Figuration verschmelzen ließen. Als erste Künstlerin, die noch zu ihren Lebzeiten eine Einzelausstellung im Musée National d’Art Moderne in Paris hatte, nahm sie in den 1940er und 50er Jahren eine einzigartige Stellung als erfolgreiche Künstlerin ein, die international ausstellte und einen Stil entwickelte, der weitgehend im Schatten des vorherrschenden männlichen Kanons stand. Diese umfassende Neubewertung von Richiers Gesamtwerk verdeutlicht ihre Schlüsselstellung im künstlerischen Kontext ihrer Zeit und ihren Einfluss auf die Bildhauerei des 20. Jahrhunderts im weiteren Sinne. Autoren wie Mika Biermann, Marie Darrieussecq, Maryline Desbiolles und Philippe Lançon, die Philosophin Geneviève Fraisse, der Anthropologe Charles Stépanoff und der Künstler ORLAN bewerten die zeitgenössische Resonanz von Richiers Schaffen. Ihre Themen der Identität, der Existenz und unserer Beziehung zur Natur sind heute zunehmend relevant. Eine Anthologie der eigenen Schriften der Künstlerin sowie Auszüge aus bisher unveröffentlichten Briefen vervollständigen den Band, der eine längst überfällige Würdigung der ausgeprägten künstlerischen Originalität von Germaine Richier darstellt. (Text engl.)